Roundup: Hybrid Talks XXXVIII - Widerstand

Bei den 38. Hybrid Talks widmeten wir uns dem Thema »Widerstand« und luden fünf Sprecher*innen auf verschiedenen Fachgebieten ein.

Gleich zu Beginn gab uns der Historiker der Zeitgeschichte Prof. Dr. Wolfgang Benz eine breitegefächerte Einführung in den politisch-historischen Widerstand. Er beschrieb, dass Widerstand mehr als Opposition ist und es mehr braucht, als nur die Fäuste in der Tasche zu ballen. Widerstand müsse deutlich gezeigt werden. Dabei betrachtete er die Pole des politischen Widerstandes und all seiner dazwischenliegenden Facetten. Wie in seinem neu erschienenen Buch widmete sich Benz in seinem Vortag damit auch dem Widerstand im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte und erzählte von der Opposition während des Hitler Regimes. Anschließend referierte er über die Wahrnehmung und Definition von Widerstand im geteilten Deutschland. Hier unterschied er in konservative Lager der Bundesrepublik, die sich bei ihrer Definition am 20. Juli orientierten und keinen kommunistischen Widerstand gelten ließen und der Definition in der DDR, in der vor allem kommunistischer Widerstand anerkannt wurde. Wie in seinem Buch gelang es Prof. Dr. Wolfgang Benz Bezüge zwischen den einzelnen Widerstandsgruppen, von Kommunisten bis Bayerischen Konservativen, herzustellen und so einen wichtigen Einblick in die deutsche Geschichte zu liefern.
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Unterlaufen, Überspringen, Umgehen und Hervorkitzeln, Tricksen: In seinem Talk gab Prof. Axel Kufus, Professor für Entwurf am Institut für Produkt- und Prozessgestaltung an der UdK Berlin, eine vielfältige Einführung in die Methodik der Produkt- und Prozesssgestaltung. Kufus, der zu Beginn seiner Karriere eine experimentelle Prototypen-Werkstatt gründete wurde als treibende Kraft des neuen deutschen Design, einer Bewegung, die den vorherrschenden Funktionalismus der 80er Jahre in Frage stellte, bekannt und erörterte in seinem Talk »Wiederstand mit "ie” schreiben?« die vielfältige Perspektiven des gestalterischen Widerstands. Hier wurde zunächst ein Beispiel aus der Bottom Up Bewegung aufgeführt. Durch die Critical Mass Bewegung, die sich über eine App für Fahrradfahrten organisieren. Am Beispiel des Sit-In Widerstandes beschrieb er wie mit Hilfe von modernen Kommunikationsmedien auf Blockaden und Flash Mops Aufmerksam gemacht wird. An den Beispielen zeitgenössischer Bewegungen, wie Extinction Rebellion, Fridays for Future und den Protesten im Hambacher Forst erklärte er die Bedeutung der Aufmerksamkeit für den Widerstand. Als Beispiel für die Vervielfältigung und Gestaltung von Logos führte er hier die italienischen Sardinen-Bewegung und der Gestaltung eines Human Rights Logos auf. Den extremen Erfolg von unübersehbaren Massenprodukten und die Symbolik der Signalwirkung analysierte er mit der Hong Kong‘er Regenschirmrevolution und den Protesten französischen Gelbwesten.
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Marta Górnicka ist am Maxim Gorki und am Münchner Kammerspiel tätig. Ihr Werk hat einen starken politischen Einfluss. Im September gründete sie das Political Voice Institute am Maxim Gorki Theater und erarbeitet dort eine kollektive Stimme des Körpers und der Sprache. Das Workshop-Zentrum funktioniert als Soziallabor das offene, diverse Gemeinschaften unterstützt und die Stärken des Widerstandes verbessern soll. Es funktioniert als eine Kritik der Gewalt im Sozialleben. Das Institut forscht und entwickelt Praktiken im Namen des politischen Charakters von Körper und Sprache und sucht nach der praktischen Antwort auf die Frage ‚Wie benutzt man Stimme für den Frieden?‘. Die multilinguale, postnationalen Gruppe von 70 Menschen bildet sich aus Performern und Schauspielern mit verschiedenen Fähigkeiten, Erfahrungen, Religionen, Haltungen und Altern. Es ist eine Gemeinschaft die das zu erwartende Ende der Welt, wie wir sie sehen, erkennt und die Realität des Ende der Gesellschaft sieht. Ziel des Projektes ist es, eine gemeinsame Stimme zu schaffen, die eine Reformierung des neuen Wir eröffnet.
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Mit dem letzten Vortrag kehrten wir zu den elementaren Wissenschaften zurück und widmeten uns der Aerodynamik. Prof. Dr. Julien Weiss vom Institut für Luft und Raumfahrt der TU Berlin sprach in seinem Vortrag über verschiedene Arten der »Flugwiderstände«. Zu Beginn berichtete er über den Faktor Mobilität in Bezug auf den erhöhten Ausstoß des Treibhausgases CO2. Prof. Dr. Julien Weiss sprach über den durch Aufschub bei der Umwandlung von thermischer Energie in mechanische Energie erzeugten CO2 Ausstoß. Er erläuterte die Bedeutung des Widerstandes in der Luftfahrt und erklärte, dass ein höherer Widerstand einen höheren CO2 Ausstoß erzeuge. Anschließend kategorisierte er die Widerstände in drei aerodynamsiche Kategorien: in Druck, der durch Druckdifferenz erzeugt wird, Reibung, die von Geschwindigkeitsgradient erzeugt wird und in den induzierten Widerstand. Letzterer ist eine dreidimensionale Strömung, die bei Auftrieb einen Widerstand nach unten induziert. Mit seinem Vortrag zeigte uns Prof. Dr. Julien Weiss wie wichtig es ist effizientere Triebwerke, leichtere Materialien und eine bessere Aerodynamik zu entwickeln um den Widerstand zu reduzieren und so die CO2 Bilanz zu verringern. Jedoch wies er auch klar darauf hin,  dass dies aufgrund des Anstieges der Anzahl von Flügen nicht ausreicht um unsere CO2-Bilanz zu verringern. Diese steigt noch immer, auch, weil nach wie vor mehr geflogen wird.
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Prof. Dr. Berit Greinke konnte ihren Talk »Elektronische Textilien - widerständig und resistiv« leider nicht präsentieren, da sie wegen Krankheit kurzfristig ausfiel.

- Tanita