Roundup: Hybrid Talks V »Wasser«

Die fünften Hybrid Talks fanden am 1. November 2012 an einem faszinierenden Ort statt: im Seegangsbecken der ehemaligen Versuchsanstalt für Wasser- und Schiffbau, direkt neben dem sogenannten »Leo«, dem großen Umlauftank. Ein trauriger Zufall, dass sein Architekt Ludwig Leo am selben Tag im Alter von 88 Jahren verstarb.

Der Hausherr und Leiter des Fachgebietes Dynamik maritimer Systeme Prof. Dr.-Ing. Andrés Cura Hochbaum war so freundlich, den Ort vorzustellen: Im langen Versuchsbecken kann das Manövrierverhalten von Schiffen in relativ flachem Wasser untersucht werden. Jedoch waren die Kräfte des Wassers, zwei Tage vor dem großen Sturm in Amerika, weniger das Thema des Abends, als die nachhaltige Nutzung des Elements in einem sich verändernden soziokulturellen Rahmen.

So sprach Prof. Dr. Stephan Pflugmacher Lima (TU Berlin) über die »grüne Leber«, einem natürlichen Reinigungssystem mit Pflanzen, welche Toxide, die beispielsweise durch Blaualgen produziert werden, zu ungiftigen Substanzen umwandeln. In China wurde zur Anwendung dieses Systems Wasser aus Naturgewässern in Becken mit speziell für die Reinigung des Wassers eingesetzten Wasserpflanzen umgeleitet. Innerhalb von 10 bis 14 Tagen konnte der toxische Gehalt des Wassers unter das von WHO empfohlene Minimum reduziert werden.

Prof. Susanne Lorenz (UdK Berlin) präsentierte ihre temporären und orts- und kontextbezogenen Projekte, die auf und um Wasser gebaut wurden. Eines davon, das Badeschiff, ist mittlerweile keine temporäre Kunst mehr, sondern fester Bestandteil der Berliner Wasserlandschaft. Weiterhin ist eine neue Zusammenarbeit mit Herrn Pflugmacher Lima in Planung: ein Schwimmring, in dessen äußerem Ring Pflanzen das Flusswasser reinigen, so dass man anschließend im Inneren des Rings baden kann.

Regina Gnirss (Berliner Wasserbetriebe) widmete sich in ihrer Präsentation dem Wert des Wassers im übertragenen und im ökonomischen Sinne. Sie griff auch die aktuelle politische Diskussion zum Preis des Berliner Wassers auf und es wurde klar, dass dabei auch die Infrastruktur sowie die Abwasserentsorgung inbegriffen sind.

Grit Bürgow vom Planungsbüro Aquatectura widmete ihren Vortrag der neuen urbanen Aquakultur. Interessanter Aspekt dabei: dass die Bevölkerung sich ihre Wasserräume selbst erobert, z.B. die ehemalige Bar 25 oder die Kiki-Blofeld Strandbar. Beide sind heute geräumt. Umso wichtiger sei es, die weiteren Entwicklungen partizipativ voranzutreiben.

Prof. Dr.-Ing. Martin Jekel (TU Berlin) erläuterte die Bedeutung einer Wasserinfrastruktur, z.B. hinsichtlich Gesundheits- und Hygieneaspeketen, und präsentierte seine Vision von Berlin als wasserneutraler Stadt, in der genauso viel Wasser verbraucht wird wie durch Grundwasser und Regenwasser zur Verfügung steht.

Anschließend wurden die Ideen in lockerer Atmosphäre weiter diskutiert – und das nicht nur bei Berliner Wasser, sondern auch dem ein oder anderen Glas Wein.

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