Hybrid Encounters. Kunst trifft Wissenschaft - Kunst, Biologie und Algorithmen

Der Künstler Tomás Saraceno lädt Experten aus der Robotik und Biologie zum Gespräch.

25. Mai 2018, 19-21 Uhr
Konzertsaal der UdK, Hardenbergstr. 33, 10623 Berlin (U-Bahn Zoologischer Garten)
Podiumsdiskussion mit Jam Session. Eintritt frei.
Der Abend findet in englischer Sprache statt.

Die Hybrid Plattform, eine Initiative der TU Berlin und UdK Berlin, und die Schering Stiftung haben mit den »Hybrid Encounters« eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die Kunst und Wissenschaft in den Dialog bringt. Hochkarätige, internationale Gäste aus Kunst und Wissenschaft erhalten eine carte blanche für die Gestaltung des Abends und laden Persönlichkeiten ein, die komplementär zum eigenen Hintergrund künstlerisch oder wissenschaftlich tätig sind. In der zweiten Ausgabe lädt der argentinische Künstler Tomás Saraceno Experten aus der Bionik, Biorobotik und Biologie zum Gespräch. Die Diskussion wird ergänzt um eine »Arachnid Jam Session«, eine Performance des Musikers David Rothenberg mit einer Spinne.

Tomás Saraceno wird mit Prof. em. Dr. Ingo Rechenberg, Technische Universität Berlin, einem Mitbegründer des Einsatzes von evolutionsbiologischen Algorithmen in den Ingenieurswissenschaften, Prof. Dr. Tim Landgraf, Leiter des BioRobotics-Lab an der Freien Universität Berlin, Alex Jordan, PhD, Leiter der Arbeitsgruppe Mechanismen und evolutionäre Ökologie sozialer Interaktion am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Konstanz, diskutieren.

Im Gespräch sollen die Grenzen und Übergänge zwischen Natur und Kultur erörtert werden. Tomás Saraceno interessiert die Frage, ob und wie künstliche Intelligenz und Maschinenlernen die Differenzierungen in Natur und Kultur zukünftig obsolet werden lassen. Welche Konsequenzen bringt der Einzug der Informatik in die Biologie mit sich? Eröffnet dieser neue Möglichkeiten einer artenübergreifenden Kommunikation?

Die »Arachnid Jam Session« des Musikers David Rothenberg mit einer Spinne in ihrem Netz wird an diesem Abend auf faszinierende Weise die artenübergreifende Kommunikation mit Hilfe von Musik und jenseits traditioneller Grenzen erlebbar machen.

Tomás Saraceno zählt zu den international bekanntesten zeitgenössischen Künstlern. Sein Schaffen ist geprägt von einer engen Zusammenarbeit mit WissenschaftlerInnen. In seinem Studio unterhält er ein sogenanntes »Spider Lab«, mit dem er das weltweit größte Spinnwebenarchiv aufgebaut hat. Seit Jahren setzt sich der Künstler mit dem Netzbau sozialer und quasisozialer Spinnenarten auseinander. Zudem untersucht er seit einiger Zeit die Kommunikationsmechanismen von Spinnen. Seit Beginn seines künstlerischen Schaffens hat Saraceno eine Praxis entwickelt, die jenseits traditioneller Grenzen verläuft. Seine Werke wurden weltweit ausgestellt, unter anderem auf der Biennale in Venedig, im Metropolitan Museum of Art in New York oder im Hamburger Bahnhof in Berlin. Im Herbst eröffnet er eine Einzelausstellung im Palais de Tokyo in Paris.

Ingo Rechenberg ist Professor Emeritus für Bionik und Evolutionstechnik an der TU Berlin. Er ist Mitbegründer von evolutionsbiologischen Algorithmen in den Ingenieurswissenschaften und untersucht die Bewegungsstrategien von Tieren unter Extrembedingungen. Forschungsreisen führen ihn regelmäßig in die Sahara, wo er 2006 eine Spinnenart entdeckte, die sich rollend fortbewegt. Aktuell baut er einen Roboter, der diese Bewegungsstrategie imitiert.

Tim Landgraf ist Professor für Biorobotik und Schwarmintelligenz an der FU Berlin und Leiter des Biorobotics-Labs am Dahlem Center for Machine Learning and Robotics. Er erforscht, wie man das Schwarmverhalten von sozialen Insekten, z.B. bei der gemeinsamen Futtersuche, in Systeme der künstlichen Intelligenz übertragen kann. Im Zuge dieser Forschung hat Tim Landgraf Roboter entwickelt, die mit Bienen oder Fischen kommunizieren können.

Alex Jordan ist Arbeitsgruppenleiter in der Abteilung »Collective Behaviour« am Max-Planck-Institut für Ornithologie und der Universität Konstanz. Er untersucht wie sich Sozial- und Sexualverhalten evolutionär entwickelt hat. Er arbeitet mit Fischen, Insekten und Spinnen und beobachtet den Effekt von sozialen Hierarchien auf das Verhalten des Kollektivs. Der Informationsfluss zwischen sozialen Gruppen, die Ursprünge von bestimmten Verhaltensmustern der Arten und die neurologische Grundlage für abweichende Formen des Agierens stehen im Zentrum seiner Untersuchungen.

David Rothenberg ist Musiker, Komponist und Professor für Philosophie und Musik am New Jersey Institute of Technology. Er interessiert sich seit langem für die musikalische Qualität von Tierlauten und komponiert Stücke, in denen er zusammen mit Tieren musiziert. Untersuchungen von Vogelgezwitscher, Walgesängen, dem Zirpen der Grillen und Singen der Zikaden bilden die Grundlage seiner bekanntesten Bücher und Musikproduktionen.

Veranstalter: Konzipiert und durchgeführt werden die »Hybrid Encounters« durch die Hybrid Plattform – eine gemeinsame Einrichtung der Universität der Künste Berlin und der Technischen Universität Berlin – und die Schering Stiftung.