Komplex Lernen

Die 32. Hybrid Talks näherten sich dem Komplex des Lernens. Ein Komplex ist dieses Feld im wörtlichen Sinne, denn unter dem Begriff des Lernens versammeln sich verschiedenste Vorstellungen, Bilder, Gefühle und Assoziationen. Ist mit dem Lernen ein noch nicht näher bestimmter Prozess beschrieben oder wird hier stets ein Ziel des Lernens impliziert. Steht das Lernen dem Humboldtschen Bildungsideal nahe oder beschreibt der Begriff mehr eine geradlinige Ausbildung nach Plan. Lernen wir fürs Leben oder Lernen wir für die Lehrer...

Der Abend hatte eine gewisse Dramaturgie - von pragmatischen Zusammenhängen und konkreten Einblicken in die Lernpraktiken beispielsweise in Ingenieursberufen ging es zur Frage nach den technischen Rahmenbedingungen, zu Studien für digitales Lernutensil, hin zu Idealen des Lernens, wie der Gleichberechtigung beim Zugang zu den Inhalten und schließlich in den Bereich ästhetischer Bildung wobei nun Lernerfolg und -ergebnis zurückgestellt werden zugunsten einer existenziellen Bildungserfahrung. Der Diskurs wurde somit in seiner Breite ausgeschöpft.

Bleibt zu fragen, ob diese Veranstaltung selbst einen Lerneffekt hatte. Überprüfbare Leistungen wurden nicht eingeübt, Standards in der Vermittlung von Inhalten eher frei gehandhabt. Der enge Begriff des Lernens fällt damit durch. Humboldts Bildungsideal auf der anderen Seite wurde oft kritisiert, es halte den Menschen unnötig von seiner Arbeit ab, indem es eine Auswahl von Möglichkeiten präsentiere, die die Einzelne überfordern müsse. In diesem Sinne ließe sich vielleicht an den alten Humanisten anknüpfen - gearbeitet hat an diesem Abend niemand. Im Anschluss an die kurzweiligen Vorträge wurden die Gespräche bei Getränken und in guter Stimmung fortgesetzt. Wenn auch im kleinen Rahmen, so konnte hier dennoch eine Art öffentlicher Austausch zwischen Forschern und anderweitig am Prozess der Wissensschöpfung Beteiligten erfahren werden.

- Benedikt

Link zur Audioaufzeichnung des Abends

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