»wer nicht denken will fliegt raus«

Denken jenseits von Eindeutigkeit und Einfachheit
Nach dem Motto »Wer nicht denken will, fliegt raus« begibt sich diese gemeinsame Ringvorlesung von TU, Hu und UdK im Sommersemester 2019 in vielen unterschiedlichen Disziplinen auf die Suche nach »Denk-Modellen« und letztlich nach Kompetenzen, die kritischem und produktivem Denken zugrunde liegen.

Fragestellung und Inhalte
DEN SPAGAT ZWISCHEN KOMPLEXITÄT UND HANDLUNGSFÄHIGKEIT MEISTERN

K.-o.-Systeme entscheiden nach dem Prinzip »the winner takes it all«. Das Prinzip der Digitalität, zwischen zwei Zuständen zu entscheiden, entweder 1 oder 0, und nur einen möglichen Zustand zuzulassen, wenn 0, dann Nicht-1, und umgekehrt, beschert ungeheure Datenvielfalt und neue Möglichkeiten künstlicher Intelligenz und Datenverarbeitung. Auf das menschliche Denken angewendet entsteht genau der gegenteilige Effekt. Auf der Suche nach Eindeutigkeit und Identität wird Bedeutungsvielfalt durch Schwarz-und-Weiß Denken, oft auch aus Gründen der Sparsamkeit, beschnitten.

Auf der anderen Seite sind wir mit unserem Denken zunehmender Komplexität ausgesetzt, d.h. mehr Möglichkeiten als wir für möglich halten und Kontingenz, d.h. Dingen und Situationen, die stets auch anders ausfallen können als gedacht. Die Trends zu Möglichkeitsräumen, Hybrid-Plattformen, Inter- oder besser gleich Transdisziplinarität, Kontextualisierung vor und zurück, Portfolios von Experimenten und überall Labs (Labore) als Thing-Stätten des Neuen sind erste Versuche, diese Komplexität jenseits von Eindeutigkeit und Einfachheit nutzbar zu machen und mit ihr umzugehen.

Wie können wir den Spagat zwischen Komplexität und Handlungsfähigkeit meistern?

Neben Verlockungen eines vermeintlich sparsamen Schwarz-und-Weiß Denkens und künstlich intelligenten, digitalen Lösungen für Big Data-Probleme, bietet sich dazu aus unserer Sicht kritisches und produktives Denken an. Unsere Lehr- und Lernerfahrung zeigt, dass die Kompetenz, Wissen zu generieren und Informationen zu erarbeiten - d.h. Informationen zu bewerten, in Sinnzusammenhänge einzuordnen, Erkenntnisse daraus zu gewinnen und selbst neue Informationen zu gestalten - dringender denn je erlernt werden muss.

Lernziele
Wir wollen mit Hilfe des Begriffsbündels »Denk-Modelle« das explizit und greifbarer machen, was wir sonst nur implizit wissen und denken. Die im Rahmen der Ringvorlesung geplanten Veranstaltungen sollen zu kritischer Distanz gegenüber Denkinhalten, Denkmethoden und sich selbst anregen. Sie fordern dazu heraus, existierende Denk-Modelle nicht nur anwendungsorientiert zu erlernen, sondern selber schöpferisch zu gestalten.

Format
Für jede der geplanten Veranstaltungen wird eine kritisch und produktiv denkende Person aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik oder Kultur eingeladen, gemeinsam mit Studierenden und Gästen über die eigenen Denk-Modelle zu reflektieren. Der Fokus liegt dabei weniger auf dem WAS des Inhalts als auf dem WIE des Denkens und der kritischen und produktiven Auseinandersetzung mit dem entstehenden Inhalt. Je nach Thema und Präferenz der Vortragenden werden die Veranstaltungen in unterschiedlichen Formaten, von Vorlesungen bis hin zu Podiumsdiskussionen, durchgeführt. Die Beiträge der Ringvorlesung werden nach Zustimmung der Vortragenden gefilmt und öffentlich verfügbar gemacht.

Wir freuen uns u.a. auf:

  • 15.04.19 - MOTIF INSTITUTE FOR DIGITAL CULTURE
    Helene von Schwichow und Katrin Fritsch

  • 29.04.19 - POLITISCHE KOMMUNIKATION IN ZEITEN VON FAKE NEWS UND DESINFORMATION
    Ulrike Demmer (Stellvertretende Sprecherin der Bundesregierung)

  • 06.5.19 - WIE DIE MASCHINE UNS NARRT
    Michael Schiessl (Geschäftsführer eye square)

  • 13.05.19 - NEUE FORMEN DES VERHANDELNS AUF THEATERBÜHNEN
    Prof. Friedrich Kirschner (Professor für Digitale Medien im Puppenspiel an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch)

  • 20.05.19 - MODE - DAS VERSTEHE WER WILL
    Prof. Oliver MacConnell (Betriebswirtschaftslehre und Modemanagement an der bbw)

  • 27.05.19 - ZUM STAND DER DINGE UND IHRER BEWEGUNGSMÖGLICHKEITEN IN DIE ZUKUNFT HINEIN
    Prof. Dr. Siegfried Zielinski (Professor em. Universität der Künste)

  • 03.06.19 - ANGEWANDTER UNFUG
    Holger Geschwindner 

  • 17.06.19 - SEID FISCHE, DIE AUF BÄUME KLETTERN!
    Sebastian Fitzek (Schriftsteller)

  • 24.06.19 - DAS FORMAT ENTSCHEIDET
    Volker Heise (Regisseur und Autor)

  • 01.07.19 - DIE IKONOLOGIE DES MEERES
    Dr. Hannah Baader (Permanent Senior Research Fellow am Kunsthistorischen Institut in Florenz)

  • 08.07.19 - GETTING LOST. ÜBER RÄUMLICHES DENKEN UND ORIENTIERUNG
    Prof. Dr. Norbert Palz (Professor für „Digitales und Experimentelles Entwerfen“ Universität der Künste)

Die Veranstaltungen finden im Sommersemester 2019 Montags von 12 Uhr - 14 Uhr c.t. in der UDK, Mierendorffstraße 28-30, Raum 401 statt und sind für die Öffentlichkeit zugänglich.

Hinweise zu den Vorträgen.