Roundup - Hybrid Encounters: Denken in Bildern

Das Donnerwetter über Berlin machte den Weg zur Technischen Universität für viele zu einer feucht-fröhlichen Odyssee und sorgte für ein sichtliches Gefühl der Erleichterung als man schließlich seinen Platz finden und sich auf die vierte, die letzte Auflage der Hybrid Encounters freuen konnte.
Unter der Moderation von Tobias Hülswitt traf Comiczeichner auf Neurowissenschaftlerin, Autor von »alpha« und »beta« auf Autorin von »Das geniale Gedächtnis«, Jens Harder auf Hannah Monyer.


Demographische Tendenzen im Publikum zu finden glich einer zur evolutionären Thematik passenden Mammutaufgabe, da sich sowohl Studierende, als auch Professor*innen und Interessierte unterschiedlichster Hintergründe zusammenfanden, um für anderthalb Stunden den spannenden Gedanken der beiden Protagonisten zu lauschen.

Die Konversation - auch dank ebenso investigativen wie enthusiastischen Fragen unseres Moderators - ebbte dabei nie ab und lieferte interessante Einblicke in den Wissenschafts- und Künstleralltag. Beide Gäste zeigten sich merklich neugierig und waren neben der Beantwortung ihrer individuellen Fragen stets erpicht darauf, auch die Perspektive des jeweils anderen zu erfahren. Visueller Leitfaden durch den Abend waren die Zeichnungen von Jens Harder, welche im Hintergrund auf eine Leinwand projiziert wurden, aber auch für Hannah Monyer immer wieder Anlass boten, evolutionäre Theorien neurobiologisch zu erklären und auf die Gegenwart zu übertragen.

Die Faszination für die Entstehung der Welt von Seiten Harders wurde mit der Analogie, das Gehirn sei letztendlich auch eine Form eines hochkomplexen Universums in kleinerer Form, auf eine Metaebene der Neugier, die beide eint, übertragen. Ohne diese intrinsische Begeisterungsfähigkeit wären die Comics, an welchen Jens Harder bereits seit 15 Jahren arbeitet, unmöglich zu realisieren gewesen. Nicht nur aufgrund der zeichnerischen Detailverliebtheit, sondern auch während des Talks war zu merken, wie sehr es ihm am Herzen lag, biologisch-evolutionäre Theorien mit mystischen, religiösen und abstrakten Elementen zu kombinieren, um so eine ästhetische wie - im Vergleich zu klassischen Büchern - zugängliche Geschichte unserer Welt zu erzählen.

Daran nahtlos anknüpfend gelang es Hannah Monyer, das unglaublich komplexe Feld der Neurobiologie dem Publikum anhand von Anekdoten und Beispielen zugänglich zu machen und berichtete von der individuellen Erlebnisverarbeitung und dem damit einhergehenden Erinnerungsvermögen.
Dadurch, dass Hirnareale automatisch verbunden werden, reagiert z.B. der fürs Sehen zuständige visuelle Cortex stets auch zeitgleich mit der die Emotionen kontrollierenden Amygdala und sorgt so für individuelle Betrachtungsweisen von Situationen. Auf Mikroebene bedeutetet das z.B. sich unterscheidende Rekapitulationen von beliebigen Situationen, auch wenn die beteiligten Personen die ganze Zeit dabei waren, weil Dinge anders verarbeitet und verknüpft werden und auf der Makroebene eine auf sehr vielen individuellen Erinnerungen beruhende Geschichtsschreibung.

Ein inspirierender Aspekt war das Bedürfnis beider Speaker in ihrem beruflichen Dasein Ebenen verknüpfen und dadurch neue Erkenntnis gewinnen zu können. Wie entstehen aus Atomen Moleküle? Wie lässt sich Evolution durch Psychologie erklären? Wie verbinde ich Kunst und Wissenschaft? Genau dieser Aspekt war es wahrscheinlich, der nicht nur die Zuschauer, sondern auch die beiden selber fesselte, weil man konstant auf der Suche nach neuem Wissen, welches sich vielleicht nicht heute, aber irgendwann in die eigene Forschung integrieren lässt.

Denn - und damit lässt sich der Talk gut zusammenfassen - »das Gehirn ist nicht nur ein Speicher, sondern auch Vorbereitung für Morgen«, wie es Hannah Monyer treffend formulierte.

- Aljoscha