Willkommen im Team Benedikt

Image Benedikt Merkel

Seit Mitte des Monats haben wir Verstärkung von unserem neuen studentischen Mitarbeiter. Wir freuen uns, Benedikt Merkle als Unterstützung in unserem Hybrid Team begrüßen zu können. Willkommen im Team, lieber Benedikt!

Ist es vielleicht die unausweichliche Begleiterscheinung von Interdisziplinarität, von Wissenschaft zwischen den Stühlen, dass sie sich eindeutigen Methoden, klarer Logik und Begriffen versagt und stattdessen oft Unordnung stiftet mit den Dingen, auf die sie zurückgreift? Ist effizienter, wissenschaftlicher Fortschritt im klassischen Sinn auf die »gated communities« der Fachbereiche zu reduzieren, deren geteiltes begriffliches Werkzeug gewisse Probleme erst zu erkennen gibt und deren Bearbeitung erlaubt? Im Rahmen meiner nun beginnenden Arbeit als studentische Hilfskraft drängen sich mir in Reaktion auf den interdisziplinären Auftrag der Hybrid Plattform einige Gedanken auf. Ich möchte ein paar von ihnen etwas ausführen, um mich und meine Motivationen ein wenig zu umreißen.

Ob erst im Masterstudium der Kulturwissenschaft seit vergangenem Wintersemester an der Humboldt-Universität zu Berlin oder bereits im Bachelorstudium der Medienkulturwissenschaft im sonnigen Freiburg – irgendwann wurde mir klar, dass dieses Studium mir alles Mögliche gibt, außer Orientierung. Seminare, die wilde Spagate zwischen detailverliebter Konkretheit und theoretisch-abstrakter Systematik zu schlagen vermögen, Einblicke in die Medienpraxis, Vorlesungen zu Semiotik, Medienökologie, Linguistik, Kulturgeschichte... Ein Gefühl höchst interessanter Verwirrung war und ist der zuverlässigste Begleiter. Seit vier Jahren lasse ich mich nun schon vom Studium der Kulturwissenschaft einnehmen. Was es war, das mich in diese Richtung trieb, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht ein vages Interesse für Theorien, die sich an menschlichen Beziehungen nähren, vielleicht – als Reaktion auf eine naturwissenschaftslastige Schulzeit – der Wunsch, die Gedanken sanfteren, nachgiebigeren Strukturen auszusetzen; vielleicht auch einfach der nette Name des Studiengangs. Egal was es war, ich bin nun glücklich mit der Weise, wie das Studium jedes Semester aufs Neue Interesse und Neugierde zu wecken vermag. Manchmal, und auch ein wenig abhängig von der Tagesform, kann mein Urteil über dieses großzügige und vielfältig-unordentliche Studium auch ganz anders ausfallen.

Die Vision einer verspielten Interdisziplinarität, die mit kreativer Leichtigkeit zwischen Disziplinen zu springen vermag und dabei unerwartete Perspektiven auf Problemlagen verspricht, ist keine Selbstverständlichkeit. Wo mit anderen Fächern diskutiert wird, verschwimmt die eigene, mühsam aufgebaute, und aufrecht erhaltene Systematik und Methodik; wo fremde Begriffsregister stören, werden die eigenen Paradigmen fraglich. Interdisziplinarität als Programm könnte auch als bewusstes Herbeiführen von Irritation verstanden werden und zuweilen ist es verständlich, dass diese nicht immer und überall erwünscht ist.

Irritation will geschickt eingesetzt und an den richtigen Stellen implementiert werden, dann kann sie produktiv stören. Die Gleichgewichtsprobleme bei der Gratwanderung zwischen den Disziplinen sind es, die als Innovationspotential erkannt werden können. Bewegung stiften, irritieren, aufwühlen, sticheln oder geradezu provozieren – ein Übertreten der fachlichen Grenzen sorgt für allseitigen Drang zu neuer Anpassung. Erfolgreiche Irritationen wollen verdaut werden und stabile Strukturen müssen dafür bewegt werden. Interdisziplinäre Projekte, Veranstaltungen und Dialoge erscheinen als das Öl im Getriebe des derzeitigen Wissenschaftsapparats, sorgen dafür dass dieses unheimliche Gebilde sich nicht festfährt und implodiert.

Wer Bewegung stiften will, muss aber mindestens genau so viel Energie hineinstecken. Interdisziplinarität ist anstrengend und erfordert Kondition. Geistiges Durchhaltevermögen braucht, wer sein Fachgebiet verlassen und sich als heillose/r DilettantIn in anderen Bereichen am Dialog beteiligen will. Das Unverständnis bezüglich anderer Bereiche der Wissenschaft ist überraschenderweise eine Bereicherung. Wer damit arbeiten kann, sagt sich los von absoluten Setzungen und bekommt ein Gespür für das, was außerhalb seines Horizontes liegt. Interdisziplinarität braucht solch engagierte LaiInnen, die sich nicht einschüchtern lassen angesichts fremder, notwendig unverständlicher Strukturen. Als studentische Hilfskraft der Hybrid Plattform freue ich mich, dabei helfen zu können, diese kreative Beweglichkeit zu züchten und zu kultivieren.

– Benedikt