Roundup: Hybrid Talks XXVII »Generative Ästhetik«

Menschen, die mit Maschinen Bilder machen. Menschen, die nicht verstehen, wie Maschinen Bilder machen. Maschinen, die lernen wie Menschen Bilder sehen. Modelle als Simulation der Welt, Modelle von Objekten, Objekte in Bildern. Poetische Quellcodes, geworfene Musik, Räume, die in Zeit stattfinden und interagieren anstatt zu repräsentieren. Oberflächen und Unterflächen unserer Smart Devices, neuronale Netzwerke, Musik als visuelle Kunst. Über das und vieles mehr wurde bei den 27. Hybrid Talks »Generative Ästhetik« gesprochen. Viel Spaß beim zuhören!

Digitale Avantgarde – Prof. Dr. Hans-Christian von Herrmann

Hans-Christian von Herrmann beginnt den Abend mit einer kulturhistorischen Einführung in das Konzept der Generativen Ästhetik. 1960: New Yorker Künstler und Wissenschaftler erzeugen gemeinsam am Computer Bilder, Töne und Texte. Diese noch zimmergroßen, piependen und Hitze erzeugenden Ungetüme werden von nun an rasant immer zahmer werden, sodass sie bald ohne Gefahr auf den Schößen der End-Consumer sitzen oder in die Hände kleiner Kinder passen. Die via Computer stattfindende Kunstproduktion ist nicht mehr daran interessiert die Welt abzubilden, sondern mit den Mitteln der Wahrscheinlichkeit und des Zufalls künstlerisch fruchtbare Modelle zu generieren, deren Main-Charakteristika Unordnung und Störung sind.


Instabile Zustände – Beziehungen von Material, Raum und Körper – Prof. Gabi Schillig

Gabi Schillig von der Hochschule Düsseldorf zeigt uns anhand von eigenen Arbeiten und denen anderer Künstler_innen, was sie mit der „Räumlichkeit sozialer und physischer Prozesse“ meint. Wir sehen Installationen, die sich erst durch die Interaktion mit den Menschen realisieren, die nicht repräsentieren, sondern den Raum des Denkbaren erweitern und in den kommunikativen Kontakt mit ihren Gästen treten wollen. Räume nimmt sie als Erfahrungsräume des Menschen wahr, als Räume, die dynamisch in der Zeit stattfinden und neben der visuellen Ebene alle Facetten menschlicher Erfahrungsmöglichkeiten bespielen.

Sehen und Verstehen: Vom Bild durch Berechnungen zum Objekt – Prof. Dr. Olaf Hellwich

In einer Zeit in der Abermilliarden von Bildern und Videos wie ungehobene Bodenschätze auf den Servern der Welt herumliegen und in der Dronen, Roboter und Fortbewegungsmittel fast ohne menschliche Führung die Aufgaben übernehmen, die Menschen entweder nicht machen wollen oder die Menschen nicht von Menschen, sondern von Maschinen gemacht haben wollen, ist Computer-Vision eins der wichtigsten Forschungsfelder in der Künstlichen-Intelligenz-Forschung. Olaf Hellwich von der TU Berlin lässt uns in seinem Vortrag durch die Augen von Computern schauen und erklärt uns auf sehr anschauliche Weise, wie Computer mit neuronalen Netzen lernen zu Bilder zu sehen und zu verstehen.


Navigieren mit Stil – Prof. Dr. Inge Hinterwaldner

»We need to sense the code!« In Anlehnung an den deutschen Philosophen Max Bense und den amerikanischen Kulturwissenschaftler Geoff Cox fordert Inge Hinterwaldner von der HU Berlin die Zuhörer_innen auf im Browser nicht nur zu surfen, sondern auch zu tauchen. Einzutauchen in das meistgesehene Bild unser Zeit: das User Interface unserer Computer und Smartphones. Wir alle sind visuelle Künstler_innen, tagtäglich manipulieren wir über mehrere Stunden Bilder. Die Quellcodes unserer Software sind poetische Schriftstücke, deren Funktionalität und Poesie sich erst in ihrer Ausführung und Darbietung zeigt.


John Cages Konzept-Musik der 1950er Jahre als Beispiel generativer Komposition – Prof. Volker Straebel

John Cage Experte Volker Straebel von der UdK Berlin erzählt uns davon wie Cage den Zufall als Kompositionsmethode benutzte, wie mehrere Linien, Schablonen und Punkte zufällig übereinander geworfen werden und so verschieden lesbare Kompositionen entstehen. In der Tradition der Konzeptkunst versteht Cage Musik als formales Konzept, dass auf verschiedene Kontexte übertragen werden kann und das Kompositionsverfahren als ästhetischen Gegenstand an sich. Wie so etwas klingen kann, hört ihr am Ende des Talks.   


-Filipe