Roundup: Hybrid Talks XXII »Emotionen«

Emotion. Das deutsche Wort ist dem französischen »émotion« entlehnt, wobei hier die deutliche Verwandtschaft zu »émouvir« und dem lateinischen »emovere« prägnant ist, welche eine Emotion mit kinetischen Impulsen des »Herausbewegens« oder »Erschütterns« in Verbindung setzt. Emotionen bewegen uns – und im Alltäglichen ist es unmöglich, Ursache, Adressat, Inszenierung und Intensität zu bestimmen und zu kontrollieren. Emotionen überfordern in dieser Hinsicht, stellen ein Phänomen dar, das den Verstand irritiert, während körperliche Affekte hereinbrechen. Was uns bewegt und wie wir dieses Bewegen beschreiben, qualifizieren und quantifizieren können ist eine komplexe Frage, die Disziplinen übergreifend behandelt wird. Zum 22. Hybrid Talk luden wir daher ForscherInnen aus verschiedenen Fachgebieten ein, um einen kleinen Einblick zu geben, welche Facetten das weite Feld dieser Forschungen annehmen können, welche Fragen relevant erscheinen und welche unbeantwortet bleiben. Für den Fall, dass Sie unserer Veranstaltung nicht beiwohnen konnten, folgt nun eine kurze Zusammenfassung der Themen. Bei Interesse können Sie außerdem die jeweiligen Audioaufnahmen der SprecherInnen anhören.

Zu Beginn der Veranstaltung fand die offizielle Preisverleihung der Initiative »Deutschland - Land der Ideen« statt. Die Hybrid Plattform wurde dabei zu einem ausgezeichneten Ort in Sachen Vermittlung im Auftrag der Innovation erklärt. Corinna Pregla von der Initiative und Olaf Ebeling von der Deutschen Bank fanden schöne Worte, um unseren Standort als Ort der kreativen Energien und das Schaffen von Gemeinschaft als Innovationsmodell der Nachbarschaft zu würdigen.

Auftakt des inhaltlichen Teils des Abends, anmoderiert von Prof. Dr. Stefan Weinzierl, macht Prof. Dr. Monika Suckfüll. Mit ihren Ausführungen eröffnet Sie den Blick hinter die Kulissen eines breit aufgestellte Arrangements an Forschungsmethoden zur Quantifizierung von Emotionen, die durch Filme hervorgerufen werden. In der Cinebox, dem von ihr geleiteten Labor für Rezeptionsstudien an der UDK Berlin, werden Messungen physiologischer Parameter, mit Beobachtungen der Gesichtsmimik sowie des nonverbalen Verhaltens während der Filmrezeption in einer Kino-Situation verknüpft. Ergänzt mit individuellen Nachfragen erlaubt diese Kombination einen vielschichtigen Zugriff zur Befragung des Prozesses der Rezeption.

Von Rezeptionsanalyse weiter zur Analyse von Emotionen im Akt des Sprechens und Schreibens: Prof. Dr. Sebastian Möller und Dr. Tim Polzehl vom Quality and Usability Lab der TU Berlin geben Einblick in aktuelle Forschung zur Auswertung von Sprach- und Schriftdaten. Die beiden Forscher interessieren hierbei Wege, wie man Nutzerzustände und im weitesten Sinne ein Modell von Persönlichkeit aus der Analyse dieser Daten herauslesen kann. Alter, Geschlecht, emotionale Zustände, gesundheitliche Umstände, Intoxikation... – mit wechselndem Grad von Erfolg lassen sich verschiedene Muster erkennen. Von hier kann der Schritt von Analyse zu Steuerung gewagt und erprobt werden: Die Behandlung von DemenzpatentInnen wird dabei in einer Studie mittels interaktiver Spiele unterstützt, die darauf abzielen, die Emotionen der PartizipientInnen zu überwachen und positiv zu beeinflussen.

Weiter zur korpus-linguistischen Methodik: Dr. Simon Meier vertritt Prof. Dr. Monika Schwarz-Friesel mit einem kurzweiligen Vortrag zu Studien aus der Fußballlinguistik. Hierbei wird von dem Forscher die mediale Inszenierung in den Blick gefasst, die die Berichterstattung von Fußballereignissen umgibt. Dass es dabei zu emotionaler Aufladung kommt ist wohl bekannt und daher ein dankbares Feld für linguistische Analysen. Expressives Fluchen, erregte Schriftsprache, Interjektionen und syntaktische Schemata lassen sich ohne Umstände erkennen. »Was für eine geile Kiste«, »was für ein Hammerschuss«, »was für ein brachiales Gerät« - Dr. Simon Meier geizt nicht mit Beispielen und es wird klar, dass Forschung zum Spiel und Forschung als Spiel interessante und zugleich amüsante Ergebnisse zu liefern vermag.

Zuletzt rundet Dr. Steffen Lepa den Abend mit einem dichten und informativen Vortrag ab, der die Mediatisierung von Musik als nicht zu vernachlässigendes Element bei der Untersuchung der Wirkung von Musik begreift. Die These hierbei: Musik moduliert Emotionen auf drei verschiedene Weisen. Zunächst spielen soundtechnische, ästhetische sowie übertragungstechnische Parameter eine Rolle. Materielle Aspekte der Einbettung in die Interaktion sowie ins kulturelle Gedächtnis schaffen sodann neue Rezeptionskontexte. Zuletzt lässt sich die Verkörperung der Musik, ihre Wahrnehmung mit verschiedenen Sinnen und ihr Schaffen von Arrangements im Raum betrachten. Dies bedenkt Dr. Steffen Lepa, wenn er dafür plädiert, die Gleichung der Forschung zur Musikwirkung zu erweitern und den Schwerpunkt auf Voraussetzungen der Audiomedien zu verschieben.

Wir möchten uns an dieser Stelle bei allen SprecherInnen für einen gelungenen und kurzweiligen Abend bedanken, ebenso bei den zahlreich erschienenen Interessierten, die interessante Fragen zu stellen wussten und hoffen einige von Ihnen beim nächsten Hybrid Talk am 01. Dezember 2016 zum Thema »Virtuelle Realität« wiederzusehen.

-Benedikt